Fest­spiel 1990

Die Ni­be­lun­gen in Platt­ling

1990 verwandelte sich Plattling erneut in eine Bühne der Nibelungensage. Im Sommer jenes Jahres fand zum zweiten Mal nach 1988 das Plattlinger Nibelungenfestspiel statt. Gespielt wurde wieder unter freiem Himmel auf einer provisorischen Freilichtbühne am Stadtplatz im Herzen der Stadt. An mehreren Abenden – damals noch im Zweijahres-Rhythmus – strömten zahlreiche Besucher zusammen, um das mittelalterliche Spektakel mitzuerleben. Die ganze Stadt war in Feierlaune und entsprechend geschmückt: Plattling präsentierte sich wie im Mittelalter, mit historischen Torbögen, Lagern und kostümierten Einwohnern in den Straßen.


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Aufgeführt wurde das Historienspiel „Die Nibelungen in Plattling“. Das Stück, verfasst vom Plattlinger Grundschulrektor Josef Widl speziell für die Festwoche, basierte auf der Episode aus dem Nibelungenlied, in der Königin Kriemhild auf ihrer Reise ins Hunnenland in „Pledelingen“ (Plattling) Station macht. Ergänzt wurde das Urstück für die Inszenierung  von 1990 um die sogenannte "Brautwerbung" am Wormser Hof. In Widls Laienspiel trifft Kriemhild in Plattling ihren Onkel, den Passauer Bischof Pilgrim, der vergeblich versucht, sie von ihrem Rachefeldzug abzubringen. Regie führte – wie schon bei der Uraufführung 1988 – Theo Krümpel. Auch die Darstellerinnen und Darsteller stammten hauptsächlich aus Plattling und Umgebung: Rund 40 Laienschauspieler übernahmen die Sprechrollen (darunter natürlich Kriemhild und Pilgrim), unterstützt von vielen Statisten: Vereine und Bürger spielten Ritter, Hunnen, Gaukler und Hofstaat.


Die Inszenierung 1990 setzte noch eins drauf und bot ein erweitertes Erlebnis. Erstmals ergänzte ein großer mittelalterlicher Nibelungenmarkt das Geschehen, sodass neben dem Theaterstück auch tagsüber Leben ins historische Lager einkehrte. Handwerkerstände, Musikanten, Feuerschlucker und eine bunte Marktatmosphäre machten das Festspiel zu einem Rundumerlebnis für Jung und Alt. Diese aufwändige Kulisse und die spürbare Leidenschaft aller Beteiligten waren das Besondere an der Aufführung – man merkte der Produktion an, mit wie viel Herzblut die Plattlinger ihre Nibelungenhistorie auf die Bühne brachten.

 

Publikum und Medien zeigten sich begeistert. Die Freilicht-Aufführungen waren sehr gut besucht; viele Besucher kamen extra aus der Region angereist. Nach der actionreichen Premiere war der Applaus groß. Die Zuschauer lobten besonders die authentische Atmosphäre und die Spielfreude der Amateurdarsteller. Auch die lokale Presse würdigte das Festspiel anerkennend – sie sprach von einem farbenprächtigen Mittelalter-Spektakel und einem gelungenen Heimatspiel. Insgesamt festigte die erfolgreiche Inszenierung 1990 den Ruf der Plattlinger Nibelungenfestspiele als Highlight im Kulturkalender Niederbayerns und legte den Grundstein dafür, dass dieses Laienspiel-Festival in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig (nun im Vier-Jahres-Turnus) fortgeführt wurde.

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