Fest­spiel 2002

Neue Wege für ein be­währ­tes Spek­ta­kel

Als sich im Jahr 2002 wieder nach vier Jahren der Vorhang für die Nibelungenspiele in Plattling hob, war schnell klar: Dieses Mal sollte alles noch größer werden. Der Verein wagte - in Absprache mit der Stadt Plattling - einen mutigen Schritt und erweiterten das Festgelände deutlich. Erstmals verließ der beliebte Nibelungenmarkt die gewohnten Grenzen des Ludwigsplatzes, dehnte sich über die Stadtplatzkreuzung aus und reichte bis hinauf zur Kirche St. Magdalena. Um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten, errichtete der Bauhof Plattling imposante Stadttore als Durchfahrtssperren – ein Detail, das dem mittelalterlichen Ambiente zusätzliche Authentizität verlieh.


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© Bildrecht: Foto Weber

Die künstlerische Verantwortung lag diesmal in den Händen von Renate Bernhard-Koppenberger. Als erste Hauptdarstellerin der Kriemhilde in früheren Jahren brachte sie wertvollen Erfahrungsschatz und frische Ideen in die Inszenierung ein. Obwohl die bewährte Textfassung beibehalten wurde, verlieh ihre Regie dem Stück neue Akzente. Eine besondere Überraschung war die Neubesetzung der Titelrolle: Tina Pfeffer verkörperte die Königin Kriemhilde – und sorgte bereits im Vorfeld für Diskussionen. Denn die neue Kriemhilde trat in einem völlig neuen Kostüm auf, das in den Plattlinger Stadtfarben gehalten war, und verzichtete bewusst auf die bis dahin charakteristische blonde Zopfperücke. Diese Entscheidung löste heftige Debatten aus, nicht nur innerhalb der Schauspielergruppe, zeigte aber auch den Mut zu Veränderung und Weiterentwicklung.

Das Schauspiel selbst folgte dem bewährten dramatischen Bogen: Kriemhildes Empfang an der Bistumsgrenze, die Begegnung mit Bischof Pilgrim und die spannungsgeladene Konfrontation mit ihrer Vergangenheit. Auch 2002 entfaltete sich auf der Bühne das Drama um Liebe, Verrat und Rache – untermalt von mystischen Naturgeistern und der unheilschwangeren Vorahnung des kommenden Untergangs.

Vier Tage lang herrschte mittelalterliches Treiben in den Straßen Plattlings. Das erweiterte Marktgelände bot noch mehr Raum für Händler, Handwerker und Gaukler. Die Lager der Hunnen und Nibelungen luden zum Verweilen ein, während Besucher sich an historischen Aktivitäten wie Bogenschießen oder Speerwerfen versuchen konnten. Der traditionelle Festzug am Sonntag bildete erneut den glanzvollen Abschluss.


Kulturelles Rahmenprogramm mit neuer Tiefe

Erstmals wurde das Festprogramm 2002 um hochkarätige kulturelle Veranstaltungen erweitert. Im Bürgerspital eröffnete eine Vernissage mit Ölgemälden und Bleistiftzeichnungen von Franz Schejbal – Kunstwerke, die sich thematisch mit den Nibelungen auseinandersetzten. Ein besonderes Highlight war der Meisterkurs unter Leitung von Hermann Eller, bei dem die Darsteller von Kriemhilde und Hagen als Modelle fungierten. Den wissenschaftlichen Höhepunkt setzte ein Fachvortrag von Volker Galle von der Deutschen Nibelungenlied-Gesellschaft Worms, der tiefere Einblicke in die literarische und historische Bedeutung des Nibelungenliedes bot.


Eine Gemeinschaftsleistung

Auch 2002 trugen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Organisationen zum Gelingen der Festspiele bei. Die Kombination aus bewährten Traditionen und mutigen Neuerungen machte diese Ausgabe zu einem unvergesslichen Erlebnis für die gesamte Stadtgemeinschaft