Auch 1994 wurde in der Nibelungenstadt Plattling die sagenumwobene Welt des Frühmittelalters wieder lebendig. Der Stadtplatz wandelte sich erneut in eine Bühne für Helden, Könige und wilde Krieger. Den historischen Anknüpfungspunkt für dieses Spektakel lieferte eine Strophe des berühmten Nibelungenliedes, in der Plattling als „Pledelingen“ erwähnt wurde. Diese Referenz hatte Rektor i. R. Josef Widl anlässlich der 100-Jahr-Feier der Stadterhebung dazu inspiriert, ein Historienspiel zu verfassen, das die Reise der Königin Kriemhilde von Worms zu ihrem zukünftigen Gatten, dem Hunnenkönig Attila, thematisierte. Das Herzstück der Festtage bildete die Aufführung „Die Nibelungen in Plattling“. Das Stück zeigte den herzlichen Empfang der Königin an der
Grenze der Bistümer Passau und Regensburg sowie ihr Zusammentreffen mit ihrem Onkel, Bischof Pilgrim. Doch die Idylle trog: Durch die szenische Erweiterung um die „Brautwerbung zu Worms“ entfaltete sich auf der Bühne ein spannungsgeladenes Drama um Liebe, Macht und Vorahnung. Während die Hunnen unter Rüdiger von Pechelaren um Kriemhilde warben, warnten die geistlichen Berater entsetzt vor der Verbindung mit einem Heiden. Gleichzeitig nutzte Kriemhilde die Zusammenkunft, um Hagen von Tronje des Mordes an Siegfried anzuklagen und ihrem Bruder Gunther Treulosigkeit vorzuwerfen. Düstere Naturgeister schürten dabei ihre Rachegedanken, bis der finale Aufbruch der Königin fast in einem Handgemenge endete und den späteren Untergang der Nibelungen prophezeite.
Rund um das Schauspiel lud ein lebendiges mittelalterliches Lagerleben
zum Verweilen ein. Vier Tage lang prägten authentisch gewandete
Darsteller das Bild des Stadtplatzes. Besucher hatten die Wahl zwischen
dem furchterregenden Lager der wilden Hunnen, die mit Spanferkel und
Aldersbacher Bier aufwarteten, und dem Lager der edlen
Nibelungenrecken, wo bei mittelalterlicher Musik „Ritterschmankerl“ und
Mooser Bier genossen wurden. Dazwischen boten fahrende Händler ihre
Waren an, Gaukler und Feuerspeier sorgten für Kurzweil, und im Lager des
fahrenden Volkes oder beim deftigen Bauernlager ließ es sich gut
aushalten. Wer wollte, konnte sich zudem selbst im Bogenschießen oder
Speerwerfen versuchen.
Einen glanzvollen Höhepunkt der Festlichkeiten bildete der große
mittelalterliche Festzug am Sonntag. Etwa 250 Teilnehmer zogen dabei in
einem farbenprächtigen Zug durch die Straßen der Stadt. Von Königin
Kriemhilde und ihrem Gefolge über die Räte der Stadt bis hin zu Falknern,
Flößern und den Kindern Plattlings präsentierte sich die Stadtgemeinschaft
stolz den Zuschauern, bevor der Zug auf der Festspielbühne seinen
feierlichen Abschluss fand.

© Bildrecht: Archiv

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Die Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen
Die Aufführung war eine Gemeinschaftsleistung zahlreicher Plattlinger
Bürger und Vereine. Die Besetzungsliste von 1994 liest sich wie ein „Who is
Who“ des damaligen kulturellen Lebens.
Die Hauptrollen:
Gruppen und Vereine:
Für die Massenszenen und die musikalische
Untermalung sorgten diverse lokale Gruppierungen:
Musik und Gesang: BW-Männerchor, Liedertafel, Fanfarenzug
Osterhofen.
Darstellergruppen:
Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) und
der Wasserwacht Plattling stellten Bauern und Nibelungen dar.
Jugend: Kinder der Grundschule Plattling und Ministranten waren als
Pagen und Kinderboten im Einsatz.