Ko­stüm und Re­qui­si­te

Vom ers­ten Kon­zept bis zur Bühne: Die Ge­stal­tung einer Ins­ze­nie­rung

Auf dieser Seite geben Maria Armansperger und Jonas Halser einen Einblick in die gestalterische Entwicklung einer Theaterinszenierung. Dabei betrachten wir nicht nur einzelne Kostüme, sondern das Zusammenspiel von Farben, Schnitten, Figuren, Requisiten und Bühnenbild. Alle diese Elemente tragen dazu bei, die Geschichte verständlich zu machen und eine eigene Welt auf der Bühne entstehen zu lassen.

 

Dabei geht es nicht nur um fertige Kleidungsstücke und Gegenstände, sondern vor allem um die vielen Überlegungen, Diskussionen und Arbeitsstunden, die hinter dem späteren Bühnenbild stehen.

Die Grun­di­dee – und warum sie wich­tig ist

Der neue Cast, zusätzliche Figuren und ein vollständig überarbeitetes Bühnenbild waren der Anlass, auch die Kostüme neu zu denken. Bestehende Kleidungsstücke aus dem Fundus sollten weiterhin genutzt und nachhaltig mit neuen Elementen kombiniert werden. Gleichzeitig mussten die Kostüme robust, beweglich und für Kampfszenen, Kunstblut und das Spielen im Rindenmulch geeignet sein. Es handelt sich daher bewusst um Bühnenkostüme und nicht um empfindliche private Prunkgewänder.

Zeitlich orientiert sich die Gestaltung ungefähr am 12. Jahrhundert. Ausschlaggebend dafür war unter anderem die Verbindung Plattlings zur Handschrift C des Nibelungenliedes. Die Kostüme sollen historisch glaubwürdig wirken, sind aber nicht als vollkommen genaue Rekonstruktionen gedacht. Wichtiger ist, dass sie auf der Bühne funktionieren, unter Beleuchtung gut zu erkennen sind und gemeinsam ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Farbe und Schnitt der Haupt­fi­gu­ren

Das Farbkonzept macht die unterschiedlichen Gruppen auf der Bühne sofort erkennbar. Die Burgunden tragen vor allem königliche Rot- und Blautöne mit goldenen Akzenten. Siegfried hebt sich als Fremder und Naturfigur durch dunkle Grüntöne deutlich von ihnen ab. Noch bevor er spricht, wird dadurch sichtbar, dass er nicht zum Burgunderhof gehört und als Kontrastfigur in diese Welt eintritt.

Auch die Schnitte erzählen etwas über die Figuren. Die jungen Burgunderkönige tragen eher längere, höfische Obergewänder und wirken dadurch wie politische Herrscher statt wie erfahrene Krieger. Siegfried erscheint dagegen in einem kürzeren und beweglicheren Waffenrock. Hagen nimmt eine Sonderstellung ein: Er gehört farblich zu den Burgunden, ist durch seine kämpferische Kleidung aber näher an Siegfried und tritt als erfahrener Beschützer und Strippenzieher auf.

Die Isenländer werden durch kühle Blau- und Stahltöne sowie stärker nordisch beziehungsweise wikingisch wirkende Schnitte gekennzeichnet. Brünhild bringt nach ihrer Verbindung mit dem Burgunderhaus nicht nur ihre Herkunft, sondern auch einen moderneren Kleidungsstil nach Worms. Über ihre Kostüme und später auch über Kriemhilds Kleidung werden persönliche Veränderungen und Entwicklungen innerhalb der Handlung sichtbar.

Die Ko­stü­me des En­sem­bles

Das Ensemble übernimmt während der Aufführung zahlreiche unterschiedliche Rollen und muss sich deshalb schnell verwandeln können. Jede Person besitzt ein relativ neutrales Grundkostüm, das durch Übergewänder, Felle, Kopfbedeckungen und andere Accessoires verändert wird. So kann dieselbe Person kurz nacheinander als Plattlinger, Burgunder, Isenländer oder Hunne auftreten, ohne sich vollständig umziehen zu müssen.

Bei den Materialien wurden matte und möglichst natürlich wirkende Stoffe bevorzugt. Glitzernde, stark reflektierende oder überwiegend synthetische Stoffe sollten vermieden werden. Neben der Wirkung auf der Bühne spielten dabei auch Hitze, Tragekomfort und Geruchsentwicklung eine Rolle. Leinen wurde häufig verwendet, teilweise aber aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen durch optisch passende Baumwolle ersetzt.

Pil­grim, Rü­di­ger und wei­te­re Ne­ben­fi­gu­ren

Pilgrim wird überwiegend schlicht dargestellt, obwohl er als Bischof ein hohes Amt besitzt. Da er in der Handlung vor allem privat und auf Reisen auftritt, trägt er eine schwarze, an die Benediktinertradition angelehnte Kleidung, einen einfachen Ledergürtel und einen Reiseumhang. Prunkvollere kirchliche Kleidung ist besonderen Momenten vorbehalten.

Rüdigers Kostüm zeigt seine politische Stellung. Als ehemaliger Herrscher und heutiger Lehnsmann Etzels trägt er ein zweifarbiges Gewand. Gelb steht dabei für seine eigene Herkunft, Braun für seine Abhängigkeit von Etzel. Seine Kleidung macht somit sichtbar, dass er einerseits eine eigene Identität besitzt, andererseits aber nicht vollständig frei handelt.

Etzel und Dietrich von Bern erscheinen deutlich kriegerischer. Gepolsterte Unterrüstungen, breite Silhouetten und Felle lassen die Figuren kräftiger, wilder und kampferfahrener wirken. Diese Kostüme sind bei hohen Sommertemperaturen zwar nicht besonders angenehm, unterstützen aber wirkungsvoll den Charakter der Figuren.

Die Nixen als Na­tur­kräf­te

Die Nixen sollten bewusst nicht wie klassische, glitzernde oder stark sexualisierte Fantasiefiguren aussehen. Stattdessen wurden sie als wilde, kaum bestimmbare Naturwesen entwickelt. Durch moosartige Materialien und sogenannte Ghillie Suits können sie teilweise mit der bewachsenen Bühne verschmelzen und scheinen förmlich aus der Landschaft herauszuwachsen.

Damit unterstützen sie eine zentrale Unsicherheit der Inszenierung: Es bleibt offen, ob das Publikum gerade Wirklichkeit, Erinnerung, Traum oder eine Geistererscheinung beobachtet. Die Nixen sind weder zeitlich noch menschlich eindeutig einzuordnen und verstärken dadurch die mystische und abstrakte Ebene des Stücks.


Schwer­ter und Kampfs­ze­nen

Da die Kämpfe 2026 von den Schauspielerinnen und Schauspielern selbst gespielt werden, wurden geeignete Schaukampfschwerter angeschafft. Dabei standen die Sicherheit der Darstellenden und des Publikums sowie eine glaubwürdige Handhabung im Mittelpunkt. Unterstützung erhielt das Team von erfahrenen Fachleuten des Schwerterbundes, die sowohl bei der Auswahl der Waffen als auch beim Training halfen.

Die Schauspielenden sollten nicht so wirken, als hielten sie zum ersten Mal ein Schwert in der Hand. Haltung, Bewegung und das Tragen der Waffen mussten deshalb intensiv geübt werden. Gerade Figuren wie Hagen gewinnen dadurch an Glaubwürdigkeit, weil ihre Kampferfahrung nicht nur behauptet, sondern auf der Bühne tatsächlich sichtbar wird.

Brun­hilds Gür­tel

Brunhilds Gürtel besitzt in der Handlung eine besondere, beinahe magische Bedeutung. Deshalb wurde ein bestehendes Grundmodell aufwendig weitergestaltet. Verwendet wurden unter anderem übrig gebliebene Borten und schuppenartige Elemente, die an einen Drachen erinnern. Dadurch werden Motive aus der Geschichte erneut aufgegriffen und dem Gürtel wird eine stärkere symbolische Wirkung verliehen.

Der Bär

Eine besondere Herausforderung war der im Stück auftretende Bär. Realistisch wirkende Leihkostüme waren entweder ungeeignet, zu klein oder sehr teuer. Deshalb entschied sich das Team gegen eine naturalistische Nachbildung. Der Schauspieler bleibt teilweise sichtbar und verkörpert den Bären vor allem durch seine Bewegung, Körperhaltung und Spielweise.

Der große Bärenkopf wurde aus EVA-Schaum gefertigt, einem leichten und gut formbaren Material. Dadurch entstand keine reine Tierattrappe, sondern eine bewusst theatralische Figur zwischen Mensch, Tier und Puppe. Gerade diese erkennbare Künstlichkeit passt zur abstrakten Gestaltung der gesamten Inszenierung.

Der ab­ge­trenn­te Kopf

Auch Gunthers Enthauptung sollte nicht wieder nur durch einen Kohlkopf in einem Sack angedeutet werden. Stattdessen wurde ein möglichst ähnlicher Bühnenkopf hergestellt. Ausgangspunkt war ein alter Frisier- beziehungsweise Schneiderpuppenkopf, dessen Haare an den Darsteller angepasst wurden. Zusätzlich wurde ein Gipsabdruck seines Gesichts genommen und mithilfe von Modelliermaterial weiterverarbeitet.

Das Beispiel zeigt, wie viel Aufwand selbst in Requisiten steckt, die später nur wenige Sekunden auf der Bühne zu sehen sind. Für einen kurzen Effekt werden teilweise mehrere Tage gearbeitet. Gerade diese Details tragen jedoch wesentlich dazu bei, dass die Welt des Stücks glaubwürdig und lebendig wirkt.

Fah­nen und Wap­pen

Die Burgunderfahnen erfüllen mehrere Aufgaben. Sie kennzeichnen die Gruppe, greifen die Farben Rot, Blau und Gold auf und dienen gleichzeitig als sichtbares Symbol ihrer Macht. Im weiteren Verlauf können die Fahnen auch den Niedergang der Burgunden verdeutlichen.

Aus ersten Entwürfen und digitalen Bildideen entstand schließlich ein eigenes Wappen. Dieses wurde weiterentwickelt und auf mehrere Fahnen übertragen. Die Requisiten verbinden damit praktische Bühnenwirkung, historische Anleihen und symbolisches Erzählen.


Das Büh­nen­bild

Das neue Bühnenbild designt von Aylin Kaip greift teilweise Elemente einer früheren Inszenierung auf, verändert ihre Bedeutung jedoch deutlich. Gotisch inspirierte Fenster (Gebaut von Protek e.V.), Ruinen, tote Bäume, Pflanzen und große Mengen Moos erzeugen den Eindruck eines zerstörten Ortes, den sich die Natur langsam zurückholt. Harte und metallische Formen früherer Bühnenbilder wurden durch weichere, überwucherte Strukturen ersetzt.

Die Bühne bleibt dabei bewusst mehrdeutig. Es ist erkennbar, dass etwas Gewaltiges geschehen ist, doch es bleibt offen, ob sich in den Ruinen Erinnerungen, Geister oder lediglich die Figuren eines Theaterstücks bewegen. Dadurch wird das Bühnenbild nicht nur zum Hintergrund, sondern zu einem wichtigen Teil der Erzählung.

Fazit

Das Festspiel 2026 zeigt, dass Kostüme, Requisiten und Bühnenbild weit mehr sind als dekorative Ergänzungen. Farben machen Gruppenzugehörigkeiten sichtbar, Schnitte erzählen etwas über Charaktere und Entwicklungen, und einzelne Requisiten greifen zentrale Motive der Handlung auf. Selbst Gegenstände, die nur wenige Sekunden zu sehen sind, entstehen durch viel Recherche, handwerkliche Arbeit und kreative Zusammenarbeit.

Das Gestaltungskonzept für 2026 verbindet vorhandene Bestände mit neuen Ideen, historische Orientierung mit praktischen Anforderungen und realistische Elemente mit bewusster Abstraktion. Erst durch dieses Zusammenspiel entsteht die besondere Welt der Inszenierung.

 

Maria Armansperger und Jonas Halser